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Bienenatlas

Welche Wildbienen fliegen im September?

Der September ist der Beginn des Wildbienen-Herbstes. Der Garten dünnt merklich aus: Die meisten Sommerarten haben ihr Brutgeschäft abgeschlossen, ihre Weibchen sterben, und die nächste Generation ruht schon als Larve oder Puppe im Boden und in den Stängeln. Doch der September hat seine eigene Hauptdarstellerin — die Efeu-Seidenbiene, die als eine der letzten und spätesten Arten überhaupt erst jetzt schlüpft und ihren grossen Auftritt hat. Daneben fliegen noch späte Hosenbienen, Furchenbienen und die Hummelvölker, die ihre Jungköniginnen entlassen. Diese Seite ist der Septemberbogen: wer jetzt noch fliegt, woran du die Arten erkennst, und welche konkreten Garten- und Balkon-Maßnahmen jetzt einen Effekt haben.

Warum im September nur noch wenige Arten fliegen

Wildbienen sind in ihrer Aktivitätsphase strikt an Temperatur und Vegetationsstadium gekoppelt. Im September schrumpft das Trachtangebot rapide — nur noch späte Korbblütler (Goldrute, Aster, Wegwarte), Efeu und einzelne Stauden blühen. Die meisten Arten haben ihren Jahreszyklus bereits geschlossen. Wer jetzt noch fliegt, ist entweder ein ausgesprochener Spätstarter (wie die Efeu-Seidenbiene) oder eine besonders langlebige soziale Art (wie die Hummeln). Genau das macht die wenigen September-Arten so auffällig: Sie haben kaum Konkurrenz und sammeln sich an den letzten Blütenquellen.

Der September vereint im Wesentlichen zwei Gruppen:

Phänologie ist genauer als der Kalender: Statt «am 1. September» eher «wenn der Efeu aufblüht». Bei einem warmen Spätsommer zieht sich die Aktivität bis weit in den Oktober, bei einem frühen Kälteeinbruch endet sie abrupt — die Reihenfolge der Arten bleibt aber konstant.

Die Arten, die du im September sehen wirst

Geordnet nach Wahrscheinlichkeit, sie in einem mitteleuropäischen Garten anzutreffen — von «sehr häufig» nach «mit Glück». Es sind weniger Arten als im Sommer; das ist normal für den Herbst:

1. Efeu-Seidenbiene — Colletes hederae

Flugzeit: Ende August bis Ende Oktober (Schlüpfbeginn September) · Größe: 10–13 mm · Familie: Colletidae

Die Hauptdarstellerin des Herbstes und die spätestfliegende Wildbiene Deutschlands. Wespenähnlich gezeichnet, mit deutlichen hellen Haarbinden auf dem Hinterleib und gelblich-braun behaartem Thorax. Weitgehend oligolektisch auf Efeu (Hedera helix) — ihre späte Flugzeit ab September deckt sich exakt mit der Efeublüte. Lebt ohne Volk: Jedes Weibchen baut eigenständig sein Bodennest. In Deutschland stark in Ausbreitung; in Berlin erst 2019 erstmals nachgewiesen. An einem blühenden Efeu sammeln sich oft Dutzende gleichzeitig.

2. Ackerhummel — Bombus pascuorum

Flugzeit: März bis Oktober · Größe: Arbeiterin 9–15 mm · Familie: Apidae

Eine der wenigen Hummeln, die im September noch zahlreich fliegen. Ganzer Thorax und Hinterleib rotbraun bis fuchsfarben behaart, ohne klare schwarz-gelbe Binden. Ihr sehr langer Entwicklungszyklus macht sie zu einem der letzten aktiven Hummelvölker des Jahres. Im September sammeln Arbeiterinnen und die letzten Jungköniginnen an Goldrute, Aster und Efeu, bevor die begatteten Königinnen ins Winterquartier verschwinden.

3. Gelbbindige Furchenbiene — Halictus scabiosae

Flugzeit: Hauptaktivität Juni–September · Größe: 13–16 mm · Familie: Halictidae

Im September klingt ihre Saison aus, einzelne Weibchen sind aber noch beim Verproviantieren der letzten Brutzellen. Schlank, mit deutlichen gelblichen Haarbinden — die erste Binde ist auffällig breiter als die folgenden. Lebt teilsozial im Boden. Generalistin beim Pollen, im Herbst vor allem an Korbblütlern. Die begatteten Weibchen verkriechen sich danach im Boden und überwintern für das nächste Jahr.

4. Wegwarten-Hosenbiene — Dasypoda hirtipes

Flugzeit: Mitte Juli bis Mitte September · Größe: 12–15 mm · Familie: Melittidae

Im September im letzten Drittel ihrer Flugzeit. Die Weibchen tragen an den Hinterbeinen eine enorm lange, goldgelbe «Sammelhose» aus Sammelhaaren — unverwechselbar. Oligolektisch auf Korbblütler, sammelt besonders gern an der blauen Wegwarte. Vor allem in Sandgebieten, wo sie tiefe Erdnester gräbt und den Aushub fächerförmig vor dem Eingang ablegt. Mit den ersten kühlen Nächten endet ihre Saison.

5. Zahntrost-Sägehornbiene — Melitta tricincta

Flugzeit: August bis September · Größe: 8–11 mm · Familie: Melittidae

Eine der spätesten Sägehornbienen, im September noch an ihren Lebensräumen aktiv. Streng oligolektisch auf Roten Zahntrost (Odontites vulgaris) — eine unscheinbare Halbschmarotzer-Pflanze magerer Wiesen und Ackerränder. Ohne diese Pflanze fehlt die Biene; sie ist eine Zeigerart für extensiv genutztes, mageres Grünland. Nistet im Boden.

6. Schmal- und Furchenbienen — Lasioglossum spp.

Flugzeit: je nach Art bis September/Oktober · Größe: meist 4–9 mm · Familie: Halictidae

Die winzigen Schmalbienen sind im September noch an späten Blüten zu finden, besonders die langlebigen, teilsozialen Arten. Sehr klein, schlank, dunkel mit feinen hellen Hinterleibsbinden — im Feld nur auf Gattungs-, selten auf Artniveau sicher zu bestimmen. Bei vielen Arten sind im Herbst nur noch die begatteten Weibchen unterwegs, die danach überwintern. Generalisten beim Pollen, oft an Korbblütlern und der letzten Staudenblüte.

Was du im September im Garten konkret tun kannst

September ist Übergangsmonat — die Maßnahmen jetzt zielen auf die letzte Tracht und auf das Erhalten der Überwinterungsquartiere.

  1. Efeu blühen lassen — niemals jetzt schneiden. Blühender Efeu ist die zentrale September-Tracht und für die Efeu-Seidenbiene überlebenswichtig. Ein alter, blühfähiger Efeu an Wand oder Baum ist eine der besten Spätsaison-Nahrungsquellen überhaupt. Rückschnitt frühestens nach der Fruchtreife im Winter.
  2. Späte Korbblütler und Astern stehen lassen. Goldrute, Wegwarte, Herbstaster und Fetthenne sind die letzten Nektar- und Pollenquellen für Hummeln, Furchenbienen und Schmalbienen. Nicht zu früh zurückschneiden.
  3. Stauden und Stängel über den Winter belassen. Abgeblühte markhaltige Stängel und Totholz sind jetzt voller überwinternder Brut. Wer im September «aufräumt», zerstört die nächste Generation. Der Rückschnitt wartet bis zum Spätwinter (Februar/März).
  4. Offene, sonnige Bodenstellen erhalten. Die Efeu-Seidenbiene und viele andere September-Arten nisten im Boden. Verdichte oder versiegle keine sandig-besonnten Flächen — sie sind aktive oder künftige Nistplätze.
  5. Pestizide weiter pausieren. Auch im September fliegen noch sammelnde Bienen. Selbst «biologische» Mittel wie Pyrethrum töten sie. Mechanische Alternativen in der Glyphosat-Ersatz-Anleitung.

Verwechslungsgefahren im September

Drei häufige Fehlbestimmungen im Herbst:

Was kommt nach September?

Im Oktober bleibt fast nur noch die Efeu-Seidenbiene übrig, dazu vereinzelte Hummeln an den letzten warmen Tagen. Danach kehrt mit November bis Februar die Winterruhe ein: Fast alle Arten überwintern als Larve, Puppe oder begattete Jungkönigin. Die monatliche Phänologie-Übersicht je Folgemonat findest du in der Jahres-Übersicht, oder einen Monat zurück zum August.