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Bienenatlas

Welche Wildbienen fliegen im August?

Der August gehört den Spätsommer-Spezialisten. Die Frühlings- und Frühsommerarten sind längst durch, stattdessen fliegen die wärmeliebenden Bienen des Hochsommers ihrem Ausklang entgegen: Hosenbienen an der Wegwarte, Sägehornbienen am Blutweiderich, die letzten Wollbienen und Blattschneiderbienen, dazu die großen Furchenbienen und die Hummelvölker, die schon ihre ersten Jungköniginnen entlassen. Viele August-Arten sind oligolektisch — auf wenige Pflanzengattungen spezialisiert — und an Korbblütlern, Disteln und spätblühenden Stauden zu finden. Diese Seite ist der Augustbogen: wer gerade fliegt, woran du die häufigsten Arten erkennst, und welche konkreten Garten- und Balkon-Maßnahmen jetzt einen Effekt haben.

Warum der August den späten Spezialisten gehört

Wildbienen sind in ihrer Aktivitätsphase strikt an Temperatur und Vegetationsstadium gekoppelt. Im Spätsommer blühen vor allem die späten Korbblütler (Wegwarte, Rainfarn, Flockenblume, Goldrute), die Disteln und der Blutweiderich. Genau auf diese Gruppen sind viele August-Bienen oligolektisch eingestellt. Wer im August ein reiches Blütenangebot hat, beherbergt deshalb oft hochspezialisierte Arten, die andernorts schon fehlen.

Der August vereint drei Gruppen:

Phänologie ist genauer als der Kalender: Statt «am 1. August» eher «wenn die Wegwarte blau wird» oder «mit der Distelblüte». Bei einem heißen Sommer beschleunigt sich der Bogen, bei feuchter Witterung verschiebt er sich nach hinten — die Reihenfolge der Arten bleibt aber konstant.

Die acht August-Arten, die du sehen wirst

Geordnet nach Wahrscheinlichkeit, sie in einem mitteleuropäischen Garten anzutreffen — von «sehr häufig» nach «mit Glück»:

1. Gelbbindige Furchenbiene — Halictus scabiosae

Flugzeit: Hauptaktivität Juni–September · Größe: 13–16 mm · Familie: Halictidae

Die größte heimische Furchenbiene, im August noch sehr aktiv beim Verproviantieren ihrer Brutzellen. Schlank, mit deutlichen gelblichen Haarbinden am Hinterleib — die erste Binde ist auffällig breiter als die folgenden. Lebt teilsozial: Mehrere Weibchen teilen sich gelegentlich einen Nesteingang im Boden. Generalistin beim Pollen, daher in fast jedem blütenreichen Garten an Korbblütlern und Witwenblumen zu finden.

2. Garten-Wollbiene — Anthidium manicatum

Flugzeit: Juni bis August/September · Größe: Weibchen 11–12 mm, Männchen 14–18 mm · Familie: Megachilidae

Im August im Ausklang, aber noch präsent. Schwarz mit leuchtend gelben Seitenflecken — wird oft für eine Wespe gehalten. Eine der wenigen Wildbienen, bei denen die Männchen größer sind als die Weibchen. Die Männchen verteidigen aggressiv ein Revier über einem Blütenfleck. Weibchen schaben Pflanzenhaare (etwa von Wollziest) ab und filzen daraus ihre Brutzellen — daher der Name. Liebt Lippenblütler wie Ziest und Andorn.

3. Ackerhummel — Bombus pascuorum

Flugzeit: März bis Oktober (Völker im August in Vollbetrieb) · Größe: Arbeiterin 9–15 mm · Familie: Apidae

Im August laufen die Hummelvölker auf Hochtouren, und die ersten Jungköniginnen erscheinen. Die Ackerhummel ist die häufigste «braune» Hummel: ganzer Thorax und Hinterleib rotbraun bis fuchsfarben behaart, ohne klare schwarz-gelbe Binden. Sehr langer Entwicklungszyklus — eines der letzten Hummelvölker, die im Herbst noch fliegen. Generalistin, baut Nester oberirdisch in Grasbüscheln, Moos oder verlassenen Mäusenestern.

4. Wegwarten-Hosenbiene — Dasypoda hirtipes

Flugzeit: Mitte Juli bis Mitte September · Größe: 12–15 mm · Familie: Melittidae

Eine der spektakulärsten Spätsommerbienen. Die Weibchen tragen an den Hinterbeinen eine enorm lange, goldgelbe «Sammelhose» aus Sammelhaaren (Namensgebung) — kein anderes heimisches Bienenmerkmal ist so auffällig. Oligolektisch auf Korbblütler, sammelt besonders gern an der blauen Wegwarte. Weit verbreitet, vor allem in Sandgebieten, wo sie tiefe Erdnester gräbt und den Aushub fächerförmig vor dem Eingang ablegt.

5. Garten-Blattschneiderbiene — Megachile willughbiella

Flugzeit: Juni bis September · Größe: 12–16 mm · Familie: Megachilidae

Im August noch beim Nestbau. Kräftig gebaut, mit auffälliger orangeroter bis fuchsbrauner Bauchbürste (Pollen wird unter dem Bauch transportiert). Schneidet mit den Mandibeln halbmondförmige Stücke aus Strauch- und Rosenblättern und rollt daraus zigarrenförmige Brutzellen — die sauberen Halbkreis-Ausschnitte an Gartenblättern stammen von ihr. Nistet in Totholz, Stängeln und Insektenhotels.

6. Blutweiderich-Sägehornbiene — Melitta nigricans

Flugzeit: Juli bis Ende August · Größe: 11–14 mm · Familie: Melittidae

Eine typische Augustbiene feuchter Standorte. Lebt an Flussauen, Bächen und Gräben, wo ihre einzige Pollenquelle wächst — der Blutweiderich (Lythrum salicaria). Sie ist also strikt oligolektisch an diese eine Pflanze gebunden. Die Männchen schlüpfen bis zu drei Wochen vor den Weibchen (ausgeprägte Protandrie) und patrouillieren zwischen den Blütenständen. Nistet im Boden in Wassernähe.

7. Gewöhnliche Löcherbiene — Heriades truncorum

Flugzeit: Mitte Juni bis September (Hauptnistzeit Juli–August) · Größe: 6–8 mm · Familie: Megachilidae

Im August noch ein häufiger Insektenhotel-Bewohner. Sehr klein, schwarz, gedrungen, mit hell behaarten Hinterleibsbinden. Oligolektisch auf Korbblütler — sammelt Pollen fast ausschließlich an Rainfarn, Margerite, Ringelblume und verwandten Gelbblühern. Verschließt ihre Brutröhren mit einem typischen Pfropf aus Harz und kleinen Steinchen. Wer im August Korbblütler blühen lässt und ein Insektenhotel mit feinen Bohrungen (3–4 mm) anbietet, hat gute Chancen auf sie.

8. Zahntrost-Sägehornbiene — Melitta tricincta

Flugzeit: August bis September · Größe: 8–11 mm · Familie: Melittidae

Eine der spätesten Sägehornbienen, ihre Brutzeit fällt in August und September. Streng oligolektisch auf Roten Zahntrost (Odontites vulgaris) — eine unscheinbare Halbschmarotzer-Pflanze magerer Wiesen und Ackerränder. Ohne diese Pflanze fehlt die Biene; sie ist damit eine Zeigerart für extensiv genutztes, mageres Grünland. Nistet im Boden. Eine Art, die man fast nur dort findet, wo der Lebensraum stimmt.

Was du im August im Garten konkret tun kannst

August ist Trocken- und Spätsommermonat — die Maßnahmen jetzt zielen auf späte Tracht, Wasser und das Erhalten der Brutplätze über den kommenden Winter.

  1. Späte Korbblütler und Disteln blühen lassen. Wegwarte, Rainfarn, Flockenblume, Karde und Goldrute sind die Lebensgrundlage der oligolektischen August-Spezialisten wie der Hosenbiene und der Löcherbiene. Ein stehengelassener Korbblütler-Saum versorgt jetzt eine ganze Spezialistengruppe.
  2. Blutweiderich an feuchten Stellen fördern. Wer einen Gartenteich, eine feuchte Senke oder einen Bachrand hat, sollte Blutweiderich stehen lassen — er ist die einzige Nahrung der Blutweiderich-Sägehornbiene und ein Magnet für viele Spätsommerbienen.
  3. Wasserstelle weiter anbieten. Bei August-Hitze brauchen Hummeln und große Arten Wasser. Flache Schale mit Steinen oder Murmeln als Landemöglichkeit; täglich nachfüllen, damit sie nicht austrocknet.
  4. Verblühtes und markhaltige Stängel stehen lassen. Königskerze, Karde, Beifuß und abgeblühte Stauden sind begehrte Nistplätze und Überwinterungsquartiere. Der Rückschnitt wartet bis zum Spätwinter (Februar/März) — nicht im August «aufräumen».
  5. Pestizide pausieren. Im August bei voller Bienenaktivität ist jeder Pflanzenschutz-Eingriff besonders schädlich. Selbst «biologische» Mittel wie Pyrethrum töten Bienen. Mechanische Alternativen in der Glyphosat-Ersatz-Anleitung.

Verwechslungsgefahren im August

Drei häufige Fehlbestimmungen im Spätsommer:

Was kommt nach August?

Im September dünnt der Garten merklich aus: Die meisten Sommerarten sind durch, dafür erscheint die Efeu-Seidenbiene als letzte große Generalistin des Jahres. Im Oktober fliegen fast nur noch die Efeu-Seidenbiene und vereinzelte Hummeln. Die monatliche Phänologie-Übersicht je Folgemonat findest du in der Jahres-Übersicht, oder einen Monat zurück zum Juli.