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Bienenatlas

Welche Wildbienen fliegen im März?

Der März ist der Auftakt des deutschen Wildbienenjahres. Nach Monaten der Winterruhe erwachen die ersten Arten, sobald die Sonne den Boden und die Nisthilfen aufwärmt. Es sind kälteresistente Spezialisten und Generalisten, die früh genug schlüpfen, um die Weiden- und Frühblüher-Tracht zu nutzen: Pelzbienen, die ersten Mauerbienen, Sandbienen und die großen Hummelköniginnen auf Nestsuche. Diese Seite ist der Märzbogen: wer gerade fliegt, woran du die häufigsten Frühaufsteher erkennst, und welche konkreten Garten- und Balkon-Maßnahmen jetzt einen Effekt haben.

Warum im März nur wenige, aber besondere Arten fliegen

Wildbienen sind in ihrer Aktivitätsphase strikt an Temperatur und Vegetationsstadium gekoppelt. Im März ist das Trachtangebot noch schmal — vor allem Weidenkätzchen, Krokus, Huflattich, Lerchensporn und Lungenkraut. Nur Arten, die als fertige Imago überwintert haben oder besonders kälteresistent sind, können diese frühe Nische nutzen. Für sie ist der Vorsprung ein Vorteil: weniger Konkurrenz, freie Nistplätze, exklusiver Zugang zur Weiden-Tracht.

Der März vereint im Wesentlichen zwei Wellen:

Phänologie ist genauer als der Kalender: Statt «am 1. März» eher «mit der Salweiden-Blüte» oder «wenn der Krokus aufgeht». Bei einem kalten Frühjahr verschiebt sich der ganze Bogen um zwei bis drei Wochen nach hinten, in milden Lagen erscheinen einzelne Männchen schon Ende Februar — die Reihenfolge der Arten bleibt aber konstant.

Die Arten, die du im März sehen wirst

Geordnet nach Wahrscheinlichkeit, sie in einem mitteleuropäischen Garten anzutreffen — von «sehr häufig» nach «mit Glück»:

1. Gehörnte Mauerbiene — Osmia cornuta

Flugzeit: Ende Februar bis Anfang Juni · Größe: 12–15 mm · Familie: Megachilidae

Eine der allerersten Bienen am Insektenhotel. Weibchen mit schwarzem Thorax und leuchtend fuchsrotem Hinterleib, am Kopfschild zwei kleine «Hörnchen» (Namensgebung); Männchen mit weißem Gesichtshaar. Besonders in Siedlungen häufig, wo sie ihre Brutzellen früh im Jahr in vorhandenen Hohlräumen, Mauerritzen und Felsspalten anlegt. Wirtschaftlich enorm wichtig im Obstanbau, weil sie schon bei niedrigen Temperaturen fliegt.

2. Frühlings-Pelzbiene — Anthophora plumipes

Flugzeit: März bis Juni · Größe: 14–15 mm · Familie: Apidae

Die «Frühlingsverkünderin». Sie überwintert als fertige Imago, und die relativ kälteresistenten Männchen erscheinen schon Anfang März — sie gehört damit zu den ersten Wildbienen des Jahres. Wirkt wie eine Hummel im Miniaturformat: dicht pelzig, mit extrem schnellem, schwirrendem Flug, oft im Rüttelflug vor der Blüte. Männchen mit charakteristischen langen Haarbüscheln an den Mittelbeinen. Liebt Lungenkraut, Lerchensporn und Taubnessel; nistet bevorzugt in Lehm- und Lösswänden.

3. Weiden-Sandbiene — Andrena vaga

Flugzeit: März bis Mai · Größe: 13–15 mm · Familie: Andrenidae

Eine der ersten auffälligen Sandbienen des Jahres, oft schon Anfang März zu sehen. Weibchen mit grauweiß behaartem Thorax und schwarzem, glänzendem Hinterleib. Oligolektisch auf Weiden — sie sammelt Pollen fast ausschließlich an Salweide und anderen Weidenarten und ist damit eng an deren Kätzchenblüte gebunden. Nistet gesellig in sandigem, lückig bewachsenem Boden, häufig in großen Aggregationen.

4. Frühlings-Seidenbiene — Colletes cunicularius

Flugzeit: Mitte März bis Mai (Männchen nur bis April) · Größe: 13–15 mm · Familie: Colletidae

Mit 13–15 mm die größte mitteleuropäische Seidenbiene. Zottelig goldbraun behaart an Kopf, Thorax und Hinterleib, mit schwachen hellen Querbinden. Lebt auf offenem, sandigem Boden mit wenig Vegetation — Sanddünen, Kies- und Sandgruben, Flussauen. Ihre Bodennester liegen oft in der Nähe der Weiden-Sandbiene, weil beide dieselbe Weiden-Tracht nutzen. Wegen Lebensraumverlust in Mitteleuropa gefährdet; sie war Wildbiene des Jahres 2023.

5. Aschgraue Sandbiene — Andrena cineraria

Flugzeit: Männchen ab Ende März, Weibchen ab Anfang April bis Juni · Größe: 13–15 mm · Familie: Andrenidae

Unverwechselbar gezeichnet: schwarz mit zwei breiten, aschgrau-weißen Haarbinden auf dem Thorax. Die ersten Männchen patrouillieren schon Ende März über den Nistplätzen, die Weibchen folgen wenig später. Nistet gesellig in Erdnestern (10–25 cm tief, 2–3 Brutzellen je Nest), regelmäßig sogar in städtischen Parks und in Hausgarten-Rasenflächen. Generalistin beim Pollen, daher in vielen Gärten möglich.

6. Hummelköniginnen auf Nestsuche — Bombus spp.

Flugzeit: ab März (Königinnen) · Größe: Königin je nach Art 15–23 mm · Familie: Apidae

Die großen, tief brummenden Hummeln, die im März tief über dem Boden suchend hin- und herfliegen, sind fast immer begattete Jungköniginnen, die als einzige ihres Volkes überwintert haben. Sie tanken nach dem Winterschlaf erst energiereichen Nektar (Krokus, Weide, Lungenkraut) und suchen dann einen Nistplatz — oberirdisch in Grasbüscheln oder Moos, unterirdisch in verlassenen Mäusenestern. Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) und Wiesenhummel (Bombus pratorum) gehören zu den frühesten Arten.

7. Rotschopfige Sandbiene — Andrena haemorrhoa

Flugzeit: Ende März/April bis Juni · Größe: 8–12 mm · Familie: Andrenidae

In wärmeren Lagen schon Ende März, sonst der Übergang zum April. Weibchen mit fuchsrotem Haarpolster auf dem Thorax und rot beschupptem Hinterleibsende — daher die deutsche und wissenschaftliche Namensgebung (haemorrhoa = rotes Ende). Generalistin beim Pollen, häufige Pollensammlerin an Obstgehölzen, Löwenzahn und Frühblühern. Nistet einzeln im Boden, oft in lichten Rasenflächen.

Was du im März im Garten konkret tun kannst

März ist der wichtigste Vorbereitungs- und gleichzeitig schon Aktivmonat — die Frühaufsteher fliegen bereits, und die Weichen für das ganze Jahr werden jetzt gestellt.

  1. Weiden stehen lassen und keine Kätzchen schneiden. Salweide und andere Weiden sind die zentrale März-Trachtquelle — Weiden-Sandbiene und Frühlings-Seidenbiene sind direkt von ihr abhängig. Wer eine blühende Weide im oder am Garten hat, betreibt aktiven Frühjahrs-Bienenschutz.
  2. Insektenhotel jetzt aufhängen — nicht erst im Sommer. Mauerbienen schlüpfen ab Ende Februar/März und suchen sofort Nistgänge. Wer erst im Sommer baut, verpasst den wichtigsten Slot. Lochdurchmesser 3–9 mm, sauber gebohrt, splitterfrei — Details in der Nisthilfen-Anleitung.
  3. Frühblüher nicht mähen oder jäten. Krokus, Huflattich, Lerchensporn, Lungenkraut und Löwenzahn sind im März oft die einzige Nahrung. Lass eine Ecke des Rasens ungemäht und reiß die «Unkräuter» nicht aus — sie sind jetzt überlebenswichtig.
  4. Offene Bodenstellen erhalten oder schaffen. Die meisten März-Arten sind Bodennister und brauchen sandige, lückig bewachsene, besonnte Bodenflächen. Eine kleine unbepflanzte, sonnige Stelle ohne Mulch oder Rindenschnitzel ist eine kostenlose Nisthilfe.
  5. Mit der Wildblumen-Aussaat beginnen. Der März ist Aussaatzeit für viele heimische Trachtpflanzen, die die Sommer- und Spätsommerbienen versorgen. Vorbereitung jetzt sichert die Tracht später — siehe Wildblumen-Streifen-Guide.

Verwechslungsgefahren im März

Drei häufige Fehlbestimmungen am Anfang der Saison:

Was kommt nach März?

Im April füllt sich der Garten rasch: Die Rostrote Mauerbiene kommt dazu, mehrere Sandbienenarten erreichen ihren Höhepunkt, und die ersten Kuckucksbienen folgen ihren Wirten. Im Mai explodiert die Vielfalt zum artenreichsten Monat des Frühlings. Die monatliche Phänologie-Übersicht je Folgemonat findest du in der Jahres-Übersicht.